Wie die Jungs aus Liverpool – Beatles-Songs ohne Lennon/McCartney: Beispiele

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Die untenstehende Liste von Songs, die in mehr oder weniger starkem Maße an bestimmte Songs der Beatles oder auch nur an deren Musik erinnert, stellt eine Auswahl dar. Ob ein Song »beatlesque« wirkt, hängt in starkem Maße vom Hörer ab. Auf Websites und Web-Foren, die den Beatles gewidmet sind, findet der Interessent diverse weitere Songs, doch fällt es mitunter schwer, die Meinung eines Hörers nachzuvollziehen, die diesem oder jenem Song bescheinigt, in Gänze oder wenigstens in Details wie ein Song der Beatles zu klingen. Der Leser mag am einzelnen Beispiel entscheiden, ob für ihn die hier genannten Songs, zumindest in Teilen, wie von Lennon und McCartney gemacht scheinen.
Nicht in die Liste aufgenommen wurden die Aufnahmen von Cover Bands und Tribute Bands sowie Tribute-Sammlungen und Cover Versions. Die Liste erhebt natürlich keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit.

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10cc: How Dare You! (1976)
»I’m Mandy Fly Me«.
Annäherung an Songs von Paul McCartney, insbesondere auch in der Gestaltung des Gesangs, wie in der Ausführung der Basslinie; formal an die »Medleys« von »Abbey Road« erinnernd.
10cc: Sheet Music (1974)
10cc: The Original Soundtrack (1975)
»I’m Not In Love«
Schichtung von Gesangsstimmen; ausgehend von »Because« von den Beatles weiterführend; in »Flying Junk« erinnert der Gesang Eric Stewarts in Klang und Ausführung an McCartneys Stil.
10cc: Deceptive Bends
»Marriage Bureau Rendezvous«, »Feel The Benefit«, »People In Love«
Songs im Stil der Spätphase der Beatles, an Alben The Beatles, Abbey Road orientiert. Wegen des Stimmklangs von Eric Stewart aber eher auf Kompositionen Paul McCartneys bezogen.

Aerovons, The: Resurrection (1969; Wiederveröffentlichung 2003)
»She’s Not Dead«
Erinnert nicht an einen bestimmten Song der Beatles, sondern an einige der Stilmittel der letzten Phase ihrer Karriere: Charakteristische Klavier-Einleitung, beweglicher geführter Bass, Schlagzeugspiel an die Spielweise von Ringo Starr angelegt, Solo mit elektrischem Klavier; auch die anderen Songs der LP »Resurrection«, etwa »The Cildren« mit Anspielungen an »A Day In The Life«, »World Of You«, »Say Georgia« [»Oh Darling]«, »With Her« weisen fast durchweg auf bestimmte Wendungen und Instrumentationen von Beatles-Songs.

Amor, Dan: Rainhill Trials (2014)
»Sister Anne«
Weniger an einen bestimmten Beatles-Song als an John Lennons Kompositionsstil angelehnt, insbesondere an »Jealous Guy«.

Apples In Stereo, The: Her Wallpaper Reverie (1999; 2007 erweitert wiederveröffentlicht)
Ironische Annäherung an die Musik der Beatles und der Beach Boys, dabei besonders den »psychedelischen« Aspekt aufgreifend; sprechende Song-Titel wie »Morning Breaks (And Roosters Complain)«, »Strawberry Fire«, »She Looks Through Empty Windows«, »Benefits of Lying (With Your Friend«) lassen an Songs der Beatles denken.

Beady Eye: Different Gear, Still Speeding (2011)
»The Roller«
Weniger Beatles-Paraphrase als Paraphrase zur Musik der Plastic Ono Band, insbesondere der Gesang ist an Lennons Gesang angelehnt; im Chorus Anklang an »Getting Better«.

Big Big Train: Englisch Electric Part One (2012)
»Hedgerow«
Stellenweise, insbesondere im abschließenden Teil des Songs, an »Penny Lane« erinnernd, mitsamt Trompetenstimme. Punktuell aber auch an andere Songs der Beatles angelehnt, dann besonders an die »Medleys« von »Abbey Road«.

Bigelf: Cheat The Gallows (2008)
»Counting Sheeps«
Die fast 12 Minuten dauernde Komposition lässt den Hörer zwar eher an das Electric Light Orchestra denken, hier und da schimmert aber wie bei ELO die Musik der Beatles durch. Der gesamte Aufbau des Zyklus weist auf die »Medleys« von Abbey Road. Es gibt ein Gitarrensolo, das von George Harrison stammen könnte: Elektrische Gitarre, im Klang durch ein Leslie verändert, über einem Background, der hauptsächlich von einer Hammond-Orgel bestritten wird. An anderer Stelle taucht wie in »For No One« ein Clavichord auf, an wieder anderer Stelle für einige Sekunden ein Orchester-Cluster, ähnlich dem in »A Day In The Life«. Damon Fox, Komponist von »Counting Sheep«, gab seinem Verlag den Namen Evil Beatle Music. Bigelf bietet insgesamt immer wieder in Bruchstücken Paraphrasen zur Musik der Beatles, mitunter gesehen durch die Brille von Jeff Lynne, hin und wieder aber gibt sich die Band so rauh wie ELO zu Beginn seiner Existenz.

Burnett, T Bone: The Talking Animals (1987)
»Monkey Dance«
Paraphrase zu »Come Together«, insbesondere in den Verses, in denen Ambitus und Rhythmus der Gesangsstimme Lennons Song sehr ähneln; außerdem Ähnlichkeiten in der Instrumentation. Insgesamt ist Burnetts Song aber komplizierter gebaut als Lennons Komposition.
Burnett, T Bone: Tooth Of Crime (2008)
»Kill Zone«
Wiederum weniger eine Nachahmung einer Beatles-Komposition als einer des Electric Light Orchestras oder Jeff Lynnes – deshalb dann doch eine gewisse Nähe zu den Beatles-Songs »Strawberry Fields Forever«, »I Am the Walrus«.
»Here Come The Philistines« tritt auf wie eine stilisierte Fassung von »Come Together«, zumal im monotonen Gesang Burnettes.

Chemical Brothers, The: Surrender (1999)
»Let Forever Be« (»Tomorrow Never Knows«; siehe Text)

Chicago: XI
»Baby, What A Big Surprise«
Die US-amerikanische Hornband – zur obligaten Besetzung gehörten Trompete, Saxophon und Posaune – bezog zwar diverse Anregungen aus der Musik der britischen Bands der 1960er-Jahre, nahm aber nur sehr selten leicht erkennbaren Bezug auf deren Musik, eher schon auf die der Formationen von James Brown. »Baby, What A Big Surprise« ist eine der Ausnahmen: Von Beginn an evoziert die Instrumentation Erinnerungen an die europäische Musik des 18. Jahrhunderts. Trompeter Lee Loughnane hat dann hier auch einen seiner wenigen »großen« Auftritte, ist er doch während des ganzen Songs über präsent und spielt schließlich einige Einsprengsel, die in der Machart zwar an ‚Penny Lane‘ erinnern, aber weniger an J.S. Bach als an G.P. Telemann.

Coldplay: A Rush Of Blood To The Head (2002)
»The Scientist«
Erinnert mit seiner typischen Klavier-Einleitung zu Beginn an einige Songs der Beatles, unmittelbar an »Fool On The Hill«, ein wenig dann auch an »Let It Be«. Einige Details sind »beatlesque«, etwa der späte Einstieg des Drummers, der beständig unisono zu den Drums eingesetzte Schellenring, dann natürlich der in sich kreisende, »endlose« Schluss ähnlich wie bei »Hey Jude«; insgesamt könnte »The Scientist« als Hommage an die Balladen der Beatles gesehen werden.

Costello, Elvis: Spike (1989)
Costello, Elvis: Mighty Like A Rose (1991)
Costello, Elvis: National Ransom (2010)
Elvis Costello hat für seine Alben »Spike« und »Mighty Like A Rose« mit Paul McCartney zusammengearbeitet (Spike; 1989; »Veronica«, »Pads, Paws And Claws«; Mighty Like A Rose; 1991; »So Like Candy«), aber in den Songs beider Alben schimmert häufig die Musik der Beatles durch. Dass Costello die vier Musiker aus Liverpool uneingeschränkt bewundert, hat er auch in einem Artikel für die US-amerikanische Zeitschrift »Rolling Stone« unterstrichen; in seinem Text fällt auch das Wort »beatlesque«. Für »National Ransom« tat er sich nach »Spike« einmal mehr mit dem Produzenten T-Bone Burnett zusammen, der seine Affinität zur Musik der Beatles auch an anderer Stelle, nicht zuletzt bei seinen eigenen Alben unter Beweis gestellt hatte. Costellos Bewunderung für die Songs John Lennons und Paul McCartneys führte aber nie zu bloßem Epigonentum. Die Musik aller drei Alben lässt sich mit ihrer vielgestaltigen, farbigen Instrumentation, Costellos Orientierung an McCartneys Gesangsstils und der raffinierten Produktion mit den Songs des Albums »The Beatles« vergleichen: Früher Rock, Folk, Music Hall, ironisierte traditionelle Kunstmusik, daneben viele Details wie etwa das Mellotron in »So Like Candy«, der Chor der Blechblasinstrumente in »Church Underground« und die ironische Nachahmung der Beach Boys in »The Other Side Of Summer«. Es fehlen natürlich auch nicht einige Manierismen im Gesang Costellos – ganz wie bei McCartney.

Cyrkle, The: Red Rubber Ball (1966)
»How Can I Leave Her«
Cyrkle, The: Neon (1967)
»Red Chair Fade Away«
Die Anfang der 1960er-Jahre unter dem Namen The Rhondells gegründete US-amerikanische Band wurde ab 1966 von Brian Epstein gemanaged. Epstein benannte die Band nach einem Vorschlag John Lennons in The Cyrcle um und verhalf ihr zu Auftritten im Vorprogramm einiger Beatles-Konzerte in den USA. Die fünf Musiker imitierten die Musik der britischen Bands, zumal die der Beatles. The Cyrkle war damit Teil der amerikanischen »Antwort« auf die British Invasion. »Red Rubber Ball« enthielt schon – nicht zuletzt durch die verwendeten Rickenbacker-Gitarren – Anklänge an einige Songs von »Help!« und »Rubber Soul«, am deutlichsten wohl in »How Can I Leave Her«, »Red Chair Fade Away«, 1967 mit der LP »Neon« veröffentlicht, ist eine Art entfernte Paraphrase zu »Rain«, und wie in »Strawberry Fields Forever« und »Penny Lane« treten ein kleines Streichensemble bzw. eine einzelne Trompete auf. Auf »Neon« findet sich auch eine Cover Version von »I’m Happy Just To Dance With You«. »Red Rubber Ball« wartet allerdings auch mit einigen Imitationen von Songs der Beach Boys und der Byrds auf.

Cotton Mather: Kon Tiki (1997)
In sämtlichen Songs des Albums werden Elemente aus Beatles-Songs aufgegriffen (Instrumentation, Satz- und Sologesang). Insbesondere der Stimmklang von Robert Harrison und Whit Williams erinnert stark an John Lennon beziehungsweise George Harrison; im Satzgesang frappierende Ähnlichkeit zu Beatles-Songs der Zeit um 1966 (»Rubber Soul«, »Revolver«). Darüber hinaus diverse Details aus Beatles-Kompositionen nach 1965.

Dukes of Stratosphear, The: 25 O’Clock (1985)
»The Mole from the Ministry«
Die Komposition Andy Partridges enthält diverse Stilmittel der Beatles-Songs um 1967 auf; siehe Text.


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